Abstracts der 18. Jahrestagung 2010 in Freudenstadt

Ernährungstherapie bei Patienten mit Pankreaserkrankungen

Autor: Marita Overbeck, Ernährungsberaterin/ DGE, Bad Driburg

Allgemeine Kostregeln bei chron. Pankreatitis und nach Panktreasoperationen

Eine ausgewogene Ernährung nach den Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wird für den gesunden Menschen empfohlen und sollte auch die Grundlage der Ernährungstherapie für den Pankreaserkrankten sein (15 % Eiweiß, 30-35 % Fett, 50-55 % Kohlenhydrate).

Eine adäquate Fettzufuhr ist bei Patienten mit Pankreaserkrankungen sehr wichtig. Fett ist ein wichtiger Energie- und Geschmacksträger und Voraussetzung für die Aufnahme fettlöslicher Vitamine und daher wichtig zur Vermeidung von Untergewicht und Mangelernährung. Häufig wird jedoch gerade das Fett am schlechtesten vertragen.

70g bis 100g Fett täglich werden in der Regel gut toleriert. Eine zusätzliche Fettrestriktion ist nicht erforderlich.

Aber! 70g bis 100g Fett sind mit unserer alltäglichen Kost schnell erreicht.

Bsp.: morgens: 1Sch. Käse 48% Fett, 1 Sch. Salami, 20g Butter
abends: 1 Sch. Käse 48% Fett, 1 Sch. Mortadella, 20g Margarine

Zusätzlich kann es hilfreich sein, die Regeln der Leichten Volkost zu beherzigen. Wichtig ist, keine Verbote zu erteilen, sondern den Patienten aufzuzeigen, was häufig gut vertragen wird. Absolutes Tabu bei Pankreaserkrankungen sollten alkoholhaltige Getränke und Speisen sein.

Ballaststoffe

sollten ausreichend in der Kost enthalten sein. Der Ballaststoffgehalt der Nahrung kann behutsam gesteigert werden. Vollkornbrote aus fein vermahlenem Vollkornmehl werden sehr gut toleriert, hingegen Vollkornbrote aus ganzen Körnern bereiten häufig Probleme (Blähungen, schneller Stuhldrang).

Kostaufbau

Der „berühmte“ Kostaufbau konnte nie in seiner Wirkung belegt werden. Auch die Annahme, dass Nahrungsfett einen Entzündungsschub auslösen kann, wurde nicht bestätigt. Patienten nach einem schmerzhaften Entzündungsschub oder einer Pankreasoperation sind dankbar für einen behutsamen Kostaufbau, weil sie Angst vor neuen Schmerzen haben. Um einer Mangelernährung und Untergewicht vorzubeugen sollte der Kostaufbau innerhalb weniger Tage durchgeführt werden.

Hier ist eine individuelle Beratung von Bedeutung! Was traut der Patient sich zu?
Wie kann ich ihn an das Essen heran führen.

Exokrine Pankreasinsuffizienz

Wenn trotz ausreichender Energieaufnahme noch eine Malnutrition besteht, kann bei chron. Pankreatitis, nach Pankreaskopfresektion und totaler Pankreatektomie eine ungenügende oder fehlende Pankreasenzymsekretion die Ursache sein.

Symptome

Fett

Da Fett einen wichtigen Energie- und Geschmacksträger darstellt, sollte Fett zur Vermeidung von Gewichtsverlust in verträglichen Mengen auf dem Speiseplan zu finden sein.

Patienten mit exokriner Pankreasinsuffizienz weisen häufig einen Mangel an essentiellen Fettsäuren (v. a. Linol- und a-Linolensäure) auf. Dieser Mangel kann sich auch in Hautveränderungen und in einem eingeschränkten Abwehrsystem äußern. Um die Zufuhr mit essentiellen Fettsäuren zu optimieren, sollten Öle und Pflanzenmargarinen mit hohem Anteil essentieller Fettsäuren verwendet werden. Reich an essentiellen Fettsäuren sind beispielsweise Maiskeim-, Distel-, Raps-,Lein- und Traubenkernöl. Reich an essentiellen Omega-3-Fettsäuren sind Fische wie Hering, Lachs, Makrele.

Vitamine und Mineralstoffe

sollten nur supplementiert werden, wenn ein Mangel nachgewiesen ist. Patienten mit exokriner Pankreasinsuffizienz weisen häufig einen Mangel an fettlöslichen Vitaminen, Magnesium, Calcium, Eisen und Zink (B12 bei Gastrektomie) auf.

Medikamentöse Therapie: Enzymsubstitution

Pankreasenzympräparate enthalten Pankreatin, ein Gemisch von verschiedenen Enzymen (Lipase, Proteasen, Amylase), die die Nährstoffe verdauen.

Die notwendige Enzymdosis wird nach dem Fettgehalt der Nahrung bestimmt. So werden ca. 2000 Ph.Eur.-Einheiten Lipase pro 1 Gramm Nahrungsfett benötigt.

Die richtige Einnahme der Enzyme

Parameter für den Behandlungserfolg:

Sollten unter der richtigen Enzymsubstitution noch Beschwerden auftreten, so wird die Dosierung erhöht (bis 4000 Ph.Eur.-Einheiten Lipase pro 1 Gramm Nahrungsfett).

MCT- Fette

kommen erst zum Einsatz, wenn die richtige Enzymsubstitution nicht zur gewünschten Besserung der Beschwerden geführt hat. MCT- Fette benötigen keine Enzyme oder bis zu ¼ der Dosis.

Diabetes Typ 3c

Die Ernährungstherapie auf der Basis der gesunden Ernährung ist identisch mit der Ernährungstherapie der anderen Diabetes- Typen. Die Blutzuckereinstellung bei völligem Fehlen von Insulin und dem Gegenspieler Glukagon ist sehr schwierig. Hypoglykämien haben häufig ihre Ursache in der fehlenden Pankreasenzymsubstitution. Die schnelle Darmpassage, aufgrund der Maldigestion des Fetts, bewirkt, dass auch Kohlenhydrate mit ausgeschieden werden, für die jedoch das Insulin schon berechnet und gespritzt wurde.

Zusammenfassung

Für Patienten mit Pankreaserkankungen gelten die Regeln der gesunden Ernährung. Zusätzlich kann es hilfreich sein, eine Leichte Vollkost einzuhalten. Der wichtigste Faktor ist: Eine evtl. vorliegende exokrine Pankreasinsuffizienz mit Pankreasenzymen richtig zu therapieren.

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Aktuell

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