Abstracts der 18. Jahrestagung 2010 in Freudenstadt

Reha 2020 – Auf welche Entwicklungen müssen sich Reha-Einrichtungen einstellen

Autor: Hubert Seiter, Erster Direktor Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg

Die Rehabilitation steht vor neuen Herausforderungen

Die medizinische Rehabilitation ist ein wichtiger Bestandteil des deutschen Gesundheitssystems. Ihr Ziel ist die Besserung oder Erhaltung der gesundheitlichen Integrität und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Der Wandel in der Demographie und der zunehmende Fachkräftemangel stellt die Rehabilitation vor große Herausforderungen.

Bereits heute befindet sich die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 65 Jahren in einem Schrumpfungsprozess. Zählten im Jahr 2000 noch 55,8 Mio. Personen zu dieser Altersgruppe, so belief sich der Wert 2007 nur noch auf 54.4 Mio. Dieser Trend wird sich bis 2020 weiter verstärken. (1)

Der Bedarf an gesundheitserhaltenden Maßnahmen wie Prävention und Rehabilitation wird nach dem Reha-Raiting Report 2009 bis 2020 um 6,3 % steigen.

Dadurch wird sich die volkswirtschaftliche Bedeutung der Rehabilitation in Zukunft weiter erhöhen. Bereits heute erhält die Volkswirtschaft für jeden in die medizinische Rehabilitation investierten Euro 5 Euro zurück.

Kooperation und Vernetzung

Vor dem Hintergrund knapper Kassen ist eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung und Effizienzsteigerung des Rehabilitationssystems unerlässlich.

Die steigende Nachfrage auf der einen und ein stabiles, gedeckeltes Reha-Budget auf der anderen Seite erfordert einen effektiven und effizienten Einsatz der finanziellen Mittel. Dies kann durch trägerübergreifende Vernetzung von Gesundheitsförderung, Prävention, Rehabilitation und Pflege erreicht werden.

Marktstrukturen werden sich verändern. Die ambulante Rehabilitation wächst in den nächsten Jahren stärker als der stationäre Bereich. Nach dem Reha-Rating Report 2009 fallen bis 2020 16 % der wirtschaftlich schwachen Kliniken weg. Es bilden sich integrierte Versorgungsnetzwerke, die Patienten gezielt in Rehakliniken zusteuern.

Medizinische Rehabilitation muss sich stärker am Arbeitsplatz des Patienten ausrichten. Die Wiedereingliederung des Rehabilitanden in das Erwerbsleben steht im Vordergrund. Rehakliniken vernetzen sich um eine ausreichende medizinisch-berufliche Orientierung anbieten zu können. Die Zusammenarbeit mit den Betriebs- und Werksärzten wird ausgebaut.

Prävention stärken

Die Auswirkungen des demographischen Wandels erfordern von den Sozialkassen, vorwiegend der Rentenversicherung und der Krankenversicherung, frühzeitig einsetzende Angebote. Der neue Grundsatz lautet Prävention vor Rehabilitation vor Rente.

Entsprechende Präventionsangebote müssen ihren Fokus auf die individuellen Risikofaktoren legen. Themen wie Bewegung, Ernährung, Umgang mit Stress u.ä. stehen dabei im Vordergrund. Dabei geht es immer auch um den konkreten Arbeitsplatz. Ein zunehmend wichtigerer Partner werden deshalb auch bei der Prävention die Werks- und Betriebsärzte sein.

Eigenverantwortung des Patienten einfordern

In finanziell schwierigen Zeiten müssen sich Solidarität und Eigenverantwortung ergänzen. Außerhalb der Anschlussrehabilitation und Rehabilitation bei Suchterkrankungen kann durchaus an einen Eigenanteil des Patienten in Form von einer teilweisen Urlaubsanrechnung gedacht werden.

(1) Prognos Studie 10.08.2009

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