Abstracts der 18. Jahrestagung 2010 in Freudenstadt

Möglichkeiten der diätetischen Entzündungshemmung in Prävention und Therapie der Arteriosklerose

Autor: Prof. Dr. Olaf Adam, Physiologikum der Ludwig-Maximilians-Universität, Ernährungsmedizin, München

Die Entzündungsreaktion dient zur Beseitigung von Allo- und Autoantigenen, Bakterien, Viren und geschädigtem Gewebe. Während der letzten Jahre hat man erkannt, dass die früher als degenerativ bezeichneten Erkrankungen, wie die Arteriosklerose oder die Arthrose, als wesentliches pathognomonisches Merkmal eine Entzündungsreaktion aufweisen.

Die Entzündungsreaktion wird auf transkriptorischer Ebene durch die verstärkte Expression von Mediatoren wie Eicosanoiden, Cytokinen und Chemokinen ausgelöst. Ernährungstherapeutisch kann das Eicosanoidsystem direkt beeinflusst werden, während die Einwirkung auf die anderen Mediatorsysteme meist indirekt durch die Interaktion mit dem Eicosanoidsystem erfolgt. Aus Arachidonsäure entstehen durch Oxidation entzündungsfördernde Eicosanoide, von denen mehr als 40 verschiedene Substanzen bisher identifiziert worden sind. Omega-3 Fettsäuren haben sich als entzündungshemmend erwiesen, wobei der Eicosapentaensäure (EPA) und der Docosahexaensäure (DHA) besondere Bedeutung zukommt. EPA konkurriert mit der Arachidonsäure um die Aufnahme in die Plasmalipide, den Transport zu den Zellen und die Inkorporation in die Zellmembran, sowie die Umwandlung zu den Eicosanoiden. Daneben entstehen aus EPA und DHA weitere Mediatoren, wie Resolvine und Integrine, die ebenfalls anti-inflammatorisch wirksam sind. Die Entzündungsprotektion mit Omega-3 Fettsäuren hat sich sowohl in der primären wie in der sekundären Prävention der Arteriosklerose etabliert, die Senkung von Blutdruck und LDL-Cholesterin ergänzt die schützende Wirkung der Omega-3-Fettsäuren bei Arteriosklerose. Das Entzündungsmodell erklärt darüber hinaus, warum die als vasoprotektiv angesehenen HDL bei der Arteriosklerose, aber auch bei anderen Entzündungen, wie der Rheumatoiden Arthritis oder dem Lupus erythematodes, zu atherogenen Partikeln mutieren und mitverantwortlich sind für das doppelt so hohe Arterioskleroserisiko, das diese Patienten tragen.

Theoretisch kann die Oxidation der Arachidonsäure zu Eicosanoiden auch durch Antioxidantien vermindert werden. In der Literatur finden sich hierzu Untersuchungen mit Vitamin A, C, E und sekundären Pflanzenstoffen. Alle Untersuchungen, die mit Supplementen durchgeführt worden, brachten keine eindeutigen Ergebnisse. Die hoch dosierte Supplementierung mit antioxidativ wirksamen Vitaminen zeigte sogar negative Folgen. Dagegen waren alle ernährungstherapeutischen Maßnahmen, die auf eine optimale Zufuhr von Antioxidantien abzielten, sowohl in der primären wie auch in der sekundären Prävention erfolgreich.

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