Abstracts der 18. Jahrestagung 2010 in Freudenstadt

Pro und Contra: Magenoperation bei Adipösen

Autor: PD Dr. Thomas Horbach

Das Körpergewicht der Bevölkerung der westlichen Länder und der Schwellenländer mit zunehmend westlicher Ernährungsform entwickelt sich kontinuierlich nach oben. In Deutschland liegt der Anteil der übergewichtigen Männer (BMI>25 kg/m2) bei 66%, der der übergewichtigen Frauen bei 51%.

Insgesamt weisen mehr als 20% der Bevölkerung einen BMI von größer 30 kg/m2 auf. Die deutsche Bevölkerung nimmt hierbei eine unglückliche Spitzenposition in der EU ein. Eine Vielzahl von Erkrankungen ist mit dieser metabolischen Störung assoziiert, z.B. Insulin-Resistenz, Diabetes mellitus Typ II, Lipidstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Steatosis hepatis, degenerative Gelenkerkrankungen, Polycystisches-Ovarien-Syndrom, obstruktives Schlafapnoesyndrom und adipositas-assoziiertes Hypoventilationssyndrom.

Die Langzeiteffekte konservativer Therapieprogramme bei Adipositas Grad II mit Begleiterkrankungen bzw. Adipositas Grad III sind unzureichend. Bei Erschöpfung konservativer Maßnahmen sollten adipositaschirurgische Interventionen bzw. Operationen erwogen werden. Magenband, Schlauchmagenbildung, Roux-Y-Magenbypass oder biliopankreatische Diversion mit duodenalem Switch haben als standardisierte Verfahren ihre Effektivität bewiesen. In laparoskopischer Technik in Zentren mit belegter Erfahrung angewandt, kann den Patienten eine langfristige Gewichtsreduktion und Rückbildung der metabolischen Störung mit gleichzeitig solider Nutzen-Risiko-Korrelation geboten werden.

Weitere interventionelle Verfahren, wie z.B. die Magenstimulation mit Schrittmachern mit in der Magenwand implantierten Sensoren für die Nahrungsaufnahme befinden sich in wissenschaftlicher Evaluation.

Zur Sicherung der Therapieergebnisse bedürfen diese Patienten einer regelmäßigen und langfristigen interdisziplinären Nachsorge. Behandlungsstrategien sollten in integrierten Versorgungsprogrammen oder Disease-Management-Programmen organisiert werden.

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